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Der Fall der Rebekka L.
ein ganz normaler Hexenprozess
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Wir schreiben das Jahr 1589. In Nördlingen stand ein neuer
Bürgermeister an der Spitze der Stadt:Johannes Pfefferer. Die Justiz war städtische Angelegenheit.. Pfefferer, von Beruf Schreiner und ein Könner in
seinem
Beruf. Da er weder aus vornehmem Haus, kam noch reich war, mußte er besondere Fähigkeiten an den Tag legen um anerkannt zu werden. Dieser Mann nahm sich nun mit dem Eifer eines Fanatikers seiner neuen Macht im Amt an. Neben ihm waren noch weitere neue Männer in der Rat der Stadt eingezogen. Diese waren ebenso bestrebt, zu beweisen, daß GOTT sie zu diesem Amt befähigte.
Wie in anderen Städten auch befaßte sich der Rat der Stadt auch mit
der Hexenverfolgung. Auf der Basis der ”peinlichen Gerichtsordnung”, der CAROLINA, erlassen von Kaiser Karl V. ,1532 fanden die Hexenprozesse statt.
Für unser Beispiel besonders interessant ist der Artikel
52.:...Hexerei wird gelernt und jede Hexe kennt somit auch ihre Lehrmeisterin und die Mittäterinnen.
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Am 8. November1589 wurd in Nördlingen Ursula Haider verhaftet. Diese Frau hat öffentlich von einer Liebesbeziehung mit dem Teufel erzählt und sich selbst eines Kindesmordes bezichtigt. Es war jedoch allseits bekannt, daß sie eine Närrin war. Ihre Richter jedoch, besessen vom Gedanken der Entlarvung einer Unholdin, leiteten die Hexenverfolgung ein.
Am 14. November wurde Dr. Wolfgang Graf als erster Rechtsgelehrter der Stadt bestellt. Er wollte seine Geschicklichkeit und seinem Scharfsinn an den Tag legen.
Am 25. November wurde ein Ratsadvokat, Dr. Sebastian Röttger als 2. Jurist hinzugezogen. Dieser war bekannt und anerkannt weit über Nördlingen hinaus.
Ursula Haider beschuldigte in den Verhören weitere Frauen der Hexerei. Diese konnten dann ”gefänglich eingezogen” werden. Ohne jeden Gedanken an die Motive der ”Hexe” folgten die beiden Doktoren ihrem Rechtsgefühl. Das Schicksal nahm für alle seinen Lauf und im Sommer 1590 erreichte es auch eine der angesehensten Frauen von Nördlingen: Rebecca Lemp.
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Hexenritt
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Am Beispiel dieser Frau, ihrer in der Haft erlittenen Qualen äßt
sich das Schicksal der Hexenverfolgung durch erhaltene Quellen nachvollziehen. Noch erhalten Briefe zeugen von dem Leid der Familie, der verhafteten Frau, von dem von ihrer Unschuld fest überzeugten Mann und der ängstlichen Kinder. Es folgt der chronologische Ablauf.
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1. Juni 1590
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Verhaftung von Rebecca Lemp, während ihr Mann Peter
abwesen war.
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2. Juni
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1. Verhör durch Holl und Baur, Ratsherrn von
Nördlingen. Die Anklage
wurde verlesen. Reaktion von Rebecca: Anrufung Gottes, sie ist unschuldig, so wahr, wie Christus am Kreuz für sie gelitten hat. Sie könnte ihrem Mann und ihren Kindern nie eine solche Schmach antun.. Die Kinder hat sie gottesfürchtig erzogen und mit ihnen die Psalmen gesungen. Sie kann sich auch nicht denken, wer sie so beschuldigt hat, da sie mit niemand Feindschaft hege.
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3. Juni
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Aus einem Brief ihrer ältesten Tochter: Um 10 Uhr
nachts wird Rebecca aus dem Gefängnis ins Barfüßerkloster überführt.
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Anfang Juni
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Zahlmeister Peter Lemp kehrt von einer Reise zurück Er
unternimmt sofort alle möglichen Schritte zur Entlassung seiner Frau. Alle Gesuche werden abgelehnt.
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6. Juni
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Gegenüberstellung: Apollonia Aißlinger und Maria Schöpperlin, Witwe
eines Ratsherrn beschuldigen Rebecca L. Beide sind auch der Hexerei angeklagt, sie behaupten sie auf dem Weinmarkt und bei anderen Hexentreffen
gesehen zu haben
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10. Juni
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Aißlinger, Schöpperlin und die Engelwirtin Anna Koch werden verbrannt ohne
ihre falsche Beschuldigung widerrufen zu haben. Rebecce L., in Angst, schreibt einen Brief an ihren Mann.
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13. Juni
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Neue Bittschrift von Peter Lemp: Nur Neid, Mißgunst,
teuflische Verblendung und Eingebung können dazu geführt haben, daß seine Frau der Hexerei angeklagt ist.
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29. Juli 1590
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Nach 2 Monaten Haft beschließt der Rat die Bürgermeisterwitwe Wörlin und die Lemp nochmals gütlich zu befragen, dann aber genauso mit ihnen zu verfahren wie mit allen anderen. Noch am selben Tag erfolgt erneutes Verhör und die erste Folter mit Daumenschrauben, und spanischen Stiefeln. Rebecca
bestreitet alle Vorwürfe.
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30. Juli
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Wieder Folterung mit Daumenschraube und Stiefeln, Rebecca leugnet jede Schuld. Am Nachmittag erneute Folter:Aufziehen mit auf den Rücken gebundenen Händen.Erstes Geständnis: Teufelsbuhlschaft und -pakt.
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Juli/August
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Bei weiteren Verhören gesteht Rebecca Hexenritt
und Schadenszauber. Sie nennt schließlich die Namen ihrer ”teuflischen Gespielinnen”, alles Frauen aus ihrem näheren Bekanntenkreis, Frauen von
Ratsherren, Bürgermeistern und Beamten. Alle Zusammenkünfte der ”Hexen” hätten ausschließlich in Amtgebäuden der Stadt stattgefunden. Es
darf gemutmaßt werden, daß der Sinn der Beschuldigung der war,
je mehr einflußreiche Frauen belastet werden, je eher würde der Rat die Verfolgung unschuldiger Frauen einstellen.
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2. August
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Rebecca L. ist tief
verzweifelt. Ihr Geständnis bedeutet einen qualvollen Tod für sie, ein Widerruf erneute Folter. Durch die Denunziation hatte sie Unschuldige belastet und sich versündigt.. Brief an ihren Ehemann:(”Schick mir etwas”.)
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3. August
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Erneutes Verhör:Rebecca L. bekennt, ihrem Mann Gift gegeben zu haben, Gott wolle es ihr verzeihen, sie hat es nur getan, um ihren Kindern die Schande ihres schimpflichen Todes zu ersparen. Sie erzählte was man von ihr hören wollte und ist so schwach, daß sie kaum sprechen kann und ins Gefängnis getragen werden mußte.
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10. August
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Peter L. gelingt es zu seiner Frau zu gelangen. Sie widerruft alles und erhebt schwerste Anklagen gegen den Rat Der hohe Rat erreicht den Widerruf des Widerrufes von Rebecca. Sie schreibt an ihren Mann.
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20. August
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Erneute Folter, Rebecca L. gesteht tote Kinder gegessen zu haben.
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21. August
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Sie gesteht Morde, die jedoch bereits Ursula Haider gestanden hat.
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2. September
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Verkündung des Todesurteils.
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9. September
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Verbrennung von Rebecca Lemp, Anna Seng, Margaretha Hummel,
Barbara Wörlin und Margarethe Frickinger
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Wer war Rebecca Lemp?
Rebecca Lemp war die Tochter des Leinwebers Hans Dehler und
wuchs in einer kindereichen Familie in geordneten Verhältnissen auf. Bereit von Kind an kannte sie ihren späteren Ehemann Peter Lemp, ein
Nachbarskind.
Schon sein Vater war Zahlmeister, eine Stelle, die der Sohn erben
sollte. Trotz eigenem Hausbesitz in Nördlingen lebte die Familie in der Dienstwohnung im grossen Zahlhaus auf dem Weinmarkt.
1590 war Rebecca Lemp 40 Jahre, seit 20 Jahren glücklich
verheiratet und ihre 6 Kinder waren zwischen 19 und 6 Jahren.
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© By Manfred Knauth /01/2004 Verwendete Warenzeichen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber. Letzte Aktualisierung 13.4.2004
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