Briefe

Briefe der Lemps

Brief der Kinder 2.6.1590

Unseren freundlichen, kindlichen Gruß, herzliebe Mutter. Wir lassen Dich wissen, daß wir wohlauf sind. So hast Du uns auch entboten, daß du wohlauf seiest und wir meinen, der Vater wird heute, will es Gott, auch kommen. [Peter Lemp war bei der Verhaftung seiner Frau auf Reisen]. So wollen wir dich wissen lassen wann er kommt. Der allmächtige Gott verleihe Dir seine Gnade und den heiligen Geist, daß Du wieder mit Freuden und gesundem Leib zu uns kommst. Amen.

Herzliebe Mutter, laß Dir Bier kaufen und laß Dir Schnittlein backen und laß Dir kleine Fischlein holen und laß Dir ein Hähnchen holen bei uns. Und wenn Du Geld brauchst, so laß es holen. Du hast es in deinem Säckel wohl. Gehab Dich wohl, meine herzliebe Mutter. Du darfst Dich nicht sorgen um das Haushalten bis Du zu uns kommst. Zu tausendmal eine gute Nacht gebe Dir Gott.

Rebecca, Deine liebe Tochter

Anna Maria, Deine liebe Tochter

Maria Salome, Deine liebe Tochter

Johann Konrad, tuum amantissime filius Samuel

 

 

 

Brief aus der Haft 10.7.01590 an Peter Lemp

Mein herzlieber Schatz, sei ohne Sorge. Wenn ihrer 1000 auf mich bekennen [mich der Hexerei beschuldigen], so bin ich unschuldig oder es kommen alle Teufel und zerreissen mich. Und wenn man mich sollt strenglich fragen [foltern] so könnte ich nichts bekennen, auch wenn man mich in 1000 Stücke zerrisse. Sei ohne Sorge, ich bin auf meiner Seele unschuldig. Wenn ich gemartert werde, so glaubt ich es nicht, denn ich bin gar gerecht. Vater, wenn ich der Vergehen schuldig bin, so lasse mich Gott nicht vor sein Angesicht kommen für immer und ewig. Wenn man mir nicht glaubt, so wird Gott das Höchste darein sehen und ein Zeichen tun. Denn, wenn ich in der Not stecken bleiben muss, so ist kein Gott im Himmel. Verbürge doch viel für mich. Du hörst ja meine Unschuld. Um Gottes Willen, lass mich nicht in der Not stecken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Brief aus der Haft 2.8.1590 an Peter Lemp

Ooh Du mein auserwählter Schatz, soll ich so unschuldig von Dir scheiden müssen! Das sei Gott immer und ewig geklagt. Man nötigt uns, man muss reden, man hat mich gemartert [gefoltert]. Ich bin so unschuldig wie Gott im Himmel. Wenn ich nur ein Pünktlein von solchen Sachen [Hexerei] wüsste, so wollte ich, dass mir Gott den Himmel versagte.

Oh du herzlieber Schatz, wie geschieht meinem Herzen. Oh weh, oh weh, meine armen Waisen. Vater, schick mir etwas, dass ich Sterbe [Gift], ich müsste sonst an der Marter verzagen. Kannst du es nicht heute, so tue es morgen. Schreib mir von Stund an.

Das Ringelein trag zur Erinnerung. Aus der Halskette mach 6 Teile. Laß es unsere Kinder an den Händen tragen ihr Lebtag. O Schatz, man nimmt mich dir mit Gewalt. Wie kann das Gott zulassen. Wenn ich eine Unholde [Hexe] bin, so sei mir Gott nicht gnädig. Wohl geschieht mir so Unrecht über Unrecht. Warum will mich doch Gott nicht hören? Schicke mir etwas, ich muß sonst falsch reden [falsche Aussagen machen]. Ich möchte sonst meine Seele beschweren [mit Sünden].

 

Bittschrift von Peter Lemp 13.7.1590

Ehrenfeste, fürsichtige, ehrsame, wohlweise, grosszügige, gebietende Herren!

Ich hoffe und glaube und halte es für gewiss. dass mein Weib alles, dessen man sie bezichtigt, nicht einmal Zeit ihres Lebens in Gedanken gehabt, vielmehr denn, daß sie solches mit Wort und in der Tat sollte jemals auch nur im geringsten getan haben.

...denn ich bezeuge es mit meinem Gewissen und vielen guten, ehrlichen Leuten, dass, soviel ich und andere bemerken konnten, sie zu allen Zeiten gottesfürchtig, züchtig, ehrbar, häuslich und fromm, dem Bösen aber jederzeit abgeneigt und feind gewesen. Sie hat mich auch als ihren Hauswirt [Ehemann] die Zeit ihres Lebens ehrlich gehalten, worüber ich für meinen Teil zufrieden gewesen bin. Ihre lieben Kinder hat sie gleichfalls, wie es auch einer treuen Hausmutter gebührt und zusteht, neben und mit mir getreu und fleissig nicht allein in ihrem Katechismus, sondern auch in der heiligen Bibel, besonders aber in den Psalmen Davids unterrichtet und unterwiesen, also, dass ich. Gott sei Lob und ohne mich zu rühmen, kein Kind habe, das nicht etliche Psalmen Davids auswendig weiss und erzählen könnte. Zudem kann niemand begründet behaupten, dass sie einmal einem Menschen einen einzigen Schaden an Leib oder sonstwo zugefügt hätte. .... Deshalb ist es meine und meiner lieben Kinder, welche ich (Gott sei immer Lob) sechs an der Zahl habe, untertänigstes und demütigstes Flehen und um Gottes und des Jüngsten Gerichtes willen, in welcher Jesus Christus, der gerechte Richter erscheinen wird, dienstliche bitte, dass Euch ehrbare und weitsichtige Weisheit als unserer ordentlichen Obrigkeit hiermit gegen unsere liebe Mutter ein gnädiges Einsehen haben und tragen, und sie wieder zu uns gelangen lassen.

 

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