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Für Humanität hatte das Mittelalter nicht viel übrig. Es sollte aber hierbei das sehr konkrete mittelalterliche Denken aus dem damaligen Zeitgeist heraus gesehen werden. Man muss sich vergegenwärtigen, dass der geistige Horizont des typischen mittelalterlichen Menschen etwa dem Horizont eines 10jährigen Kindes von heute entsprach. Das Denken selbst der meisten Gebildeten war über das 17. Jh. hinaus von krassem Aberglauben beherrscht. Das jüngste Gericht war ein feststehender Begriff. Alles war Wille Gottes, war Strafe oder Lohn der jeweiligen Lebensführung.
Man glaubte in tiefsitzenden Ängsten an Teufelspakt, magische Praktiken und Zauberkräfte, die eben auch die Beschuldigten verstockt machen, und es somit zwingend der Tortur als Mittel zur Wahrheitsfindung bedürfe. Der Hexenwahn brach etwa um 1300 aus, und erste Hinrichtungen datieren aus dem 15. Jh.. Hungersnöte, Seuchen, hohe Kindersterblichkeit, Krieg und die fanatische Gegenreformation förderten die Hexenverfolgungen entsprechend.
In Wemding gab es zwei Prozesswellen.
- · In der ersten, quasi standardisierten, in den Jahren 1609 und 1610 gab es 10 Hinrichtungen.
- · In der zweiten Prozesswelle (1628-1631) erschien in Wemding ein spezieller kurfürstlicher Hexenkommissar. Der Grund für diese kurfürstliche Massnahme war der, dass die städtischen Behörden im Land zu lasch gegen das "Hexenvolk" vorgehen würden. Der zweifelhafte "Erfolg" zeigte sich darin, dass 39 Menschen wegen Hexerei dem Scheiterhaufen überantwortet wurden
So wurden in den beiden Prozessperioden 49 Menschen (38 Frauen und 11 Männer), das waren knapp 2% der damaligen Wemdinger Bevölkerung, auf der Hinrichtungsstätte "Galgenberg" verbrannt. Die Verhörprotokolle im Stadtarchiv geben beklemmendes authentisches Zeugnis dieser Zeit; eine Dokumentation im Folterturm erinnert an die traurigen Ereignisse.
Erst 1813 wurde in Bayern die Strafgesetzgebung gegen Hexerei beseitigt.
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